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	<title>Corona Archive - Heidsite</title>
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	<title>Corona Archive - Heidsite</title>
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		<title>Trittbrettfahren in Zeiten von Corona*</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Horst Heidbrink]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Sep 2021 11:48:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Coronaleugner]]></category>
		<category><![CDATA[Covid-19]]></category>
		<category><![CDATA[Freerider]]></category>
		<category><![CDATA[Heidbrink]]></category>
		<category><![CDATA[Moralpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Trittbrettfahrer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ärgern Sie sich auch über die Corona-Trittbrettfahrer? Über die, die sich selbst über alle Regeln hinwegsetzen? Die nicht bereit sind, Masken aufzusetzen, um sich und andere zu schützen?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.heidsite.de/2021/09/19/trittbrettfahren-in-zeiten-von-corona/">Trittbrettfahren in Zeiten von Corona*</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.heidsite.de">Heidsite</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Freerider</h2>



<p>Ärgern Sie sich auch über Corona-Impfverweigerer? Die glauben, dass es reicht, wenn andere sich impfen lassen? Die sich selbst über alle Regeln hinwegsetzen? Die nicht bereit sind, Masken aufzusetzen, um sich und andere zu schützen? <br>Oder ärgern Sie sich über diejenigen, die sich sklavisch an die „überflüssigen“ Regeln halten?<br>Schauen wir uns an, ob uns die Wissenschaft Erklärungen liefern kann. Tatsächlich sind eine Reihe aufschlussreicher Studien bereits zu einem Zeitpunkt veröffentlicht worden, zu dem es bis zum Ausbruch der Pandemie noch 20 Jahre dauern sollte. Daher geht es in den Experimenten auch nicht um die Ausbreitung von Viren, sondern ganz simpel um Geld.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Public-Goods-Spiele</h2>



<p>Wie sieht so ein Experiment aus? Sie sitzen mit drei anderen Personen an einem Spieltisch. Zu Beginn des Spiels bekommt jeder 20 Euro. In jeder Runde können kann man von diesen 20 Euro einen Betrag zwischen 0 und 20 Euro in den Gemeinschaftstopf geben. Für jeden gespendeten Euro erhalten die Spieler 40 Cent, egal, wer gespendet hat.<br>Die erste von 10 Spielrunden startet. Was werden Sie und ihre Mitspieler spenden? Nehmen wir an, Sie entscheiden sich, die Hälfte ihres Startkapitals zu spenden, also 10 Euro. Jetzt sind Sie gespannt, wie viel die anderen in den Gemeinschaftstopf gegeben haben.<br>Anfänglich läuft das Spiel ganz gut. Alle spenden ähnlich viel, sodass jeder mehr zurückbekommt als er gespendet hat. Nach den ersten Durchgängen fällt Ihnen jedoch auf, dass einer der Mitspieler nichts mehr spendet, aber trotzdem den größten Gewinn einstreicht. Danach gehen die Spenden insgesamt schnell zurück.</p>



<p class="has-drop-cap">Was machen Sie? Klar, Sie reduzieren ihre Spenden auch, da Sie sonst auf der Verliererstraße landen. Nach dem zehnten Durchgang stellen Sie fest: Keiner hat mehr etwas gespendet. <img fetchpriority="high" decoding="async" width="960" height="909" data-attachment-id="419" data-permalink="https://www.heidsite.de/2021/09/19/trittbrettfahren-in-zeiten-von-corona/abbildung1-3/" data-orig-file="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/11/Abbildung1.jpg?fit=2375%2C2250&amp;ssl=1" data-orig-size="2375,2250" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Abbildung1" data-image-description="&lt;p&gt;Abbildung1&lt;/p&gt;
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<p>Abb. 1: Beiträge in einem Public-Goods-Spiel mit festen (»Partner«) und wechselnden fremden (»Stranger«) Mitspielern (Gächter, 2006, S. 5)</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Altruistische Bestrafungen</h2>



<p><br>Wie kann man das Kollabieren der Spendenbereitschaft verhindern? Vielleicht sollten Sie ihre Mitspieler besser kennenlernen. Oder nach jedem Durchgang kurz mit allen besprechen, wer aus welchen Gründen viel oder wenig gespendet hat. Beides gute Ideen, die aber leider nicht gut funktionieren. Selbst wenn man beide Maßnahmen einführt, steigt die Spendenbereitschaft zwar kurzfristig, fällt dann aber doch in sich zusammen.<br></p>



<p class="has-drop-cap">Versuchen wir es mit einer radikaleren Regel: Nach jedem Durchgang haben Sie die Möglichkeit, andere Mitspieler zu bestrafen. Allerdings müssen Sie dafür selbst bezahlen: Wenn Sie einen Euro abgeben, muss einer der Mitspieler 10 Prozent von seinem Gewinn zurückgeben. Mit 10 Euro können Sie ihm den gesamten Gewinn abknöpfen. Der wandert dann wie ihre Bestrafungszahlung in den Gemeinschaftstopf. Sie selbst bekommen ihn nicht.<br>Jetzt passiert Erstaunliches: Die Trittbrettfahrer werden nicht nur von Ihnen, sondern auch von anderen bestraft – was das Zeug hält. Der Erfolg stellt sich umgehend ein: In den weiteren Durchgängen verhalten sich alle ziemlich kooperativ, die Spendenbereitschaft bleibt erhalten!<br></p>



<p><img decoding="async" width="960" height="960" data-attachment-id="421" data-permalink="https://www.heidsite.de/2021/09/19/trittbrettfahren-in-zeiten-von-corona/abbildung2-2/" data-orig-file="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/11/Abbildung2-scaled.jpg?fit=2560%2C2560&amp;ssl=1" data-orig-size="2560,2560" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Abbildung2" data-image-description="&lt;p&gt;Abbildung2&lt;/p&gt;
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<p>Abb. 2: Beiträge in einem Public-Goods-Spiel mit 95-Prozent-Konfidenz-Intervall und zeitlicher Variation der Bestrafungsmöglichkeit (A / B) (Fehr &amp; Gächter, 2002, S. 138)</p>



<p class="has-drop-cap"><br>Man nennt dies „altruistische Bestrafung“, weil der Strafende selbst keinen direkten finanziellen Nutzen hat. Warum bestrafen wir trotzdem? Der Grund liegt in dem Ärger über die Trittbrettfahrer, die sich auf unsere Kosten unfair bereichern. Unsere Belohnung besteht in dem Gefühl, mit unserer Zahlung für Gerechtigkeit gesorgt zu haben &#8211; es ihnen „gegeben“ zu haben.<br>Wenn wir momentan voll maskiert durch eine Innenstadt gehen und uns eine Gruppe unmaskierter Männer entgegenkommt, die rauchen, trinken und sich lautstark unterhalten, empfinden wir genau diesen Ärger. Allerdings fehlt uns die Möglichkeit der Bestrafung. Wenn wir die Polizei informieren, ist die Gruppe längst weg. Wenn wir sie selbst ansprechen, bewirken wir meist wenig.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Antisoziale Bestrafungen</h2>



<p>Oft rufen diejenigen, die sich brav an die Regeln halten, bei denjenigen, die dies nicht tun, Aggressionen hervor. Wieso?<br>Hierzu erbrachte eine weitere Studie interessante Erkenntnisse: In 16 weltweit verteilten Städten wurde das Public-Goods-Game mit Studierenden an Wirtschaftsfakultäten gespielt. Eigentlich interessierten sich die Untersucher für nationale Unterschiede im Ausmaß der altruistischen Bestrafung. Bei der Auswertung stießen sie auf ein interessantes Phänomen: Sie fanden nicht nur altruistische, sondern auch „antisoziale“ Bestrafungen. Als „antisozial“ werteten sie Bestrafungen von Spielern, die selbst weniger gespendet hatten als der Bestrafte.</p>



<p><br><img decoding="async" width="960" height="731" data-attachment-id="422" data-permalink="https://www.heidsite.de/2021/09/19/trittbrettfahren-in-zeiten-von-corona/abbildung3-2/" data-orig-file="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/11/Abbildung3-scaled.jpg?fit=2560%2C1950&amp;ssl=1" data-orig-size="2560,1950" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Abbildung3" data-image-description="&lt;p&gt;Abbildung3&lt;/p&gt;
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<p>Abb. 3: Altruistische und antisoziale Bestrafung in 16 Städten. Rangreihe nach dem Ausmaß antisozialer Bestrafung (Herrmann et al., 2008, S. 1363)</p>



<p class="has-drop-cap"><br>Die Studierenden in Boston (USA) zeigten das geringste, die in Muscat (Oman) das höchste Ausmaß an antisozialer Bestrafung. Bei den acht Orten mit niedriger antisozialer Bestrafungsrate handelt es sich um Städte aus westlichen Demokratien, mit Ausnahme der chinesischen Stadt Chengdu.<br>Die Autoren verglichen das Ausmaß an antisozialer Bestrafung in den einzelnen Ländern mit bestimmten Maßen, die zur Kennzeichnung von gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Unterschieden gebräuchlich sind. Sie kommen dabei zu dem Schluss, dass antisoziale Bestrafung vor allem in Gesellschaften vorkommt, in denen das Vertrauen der Bevölkerung in die staatliche Ordnung gering und man im alltäglichen Umgang gegenüber Fremden eher misstrauisch ist (vgl. Herrmann et al., 2008). (**)</p>



<p class="has-drop-cap"><br>Derartige Unterschiede lassen sich natürlich auch innerhalb einer Gesellschaft feststellen. Wenn man sich die aktuellen „Querdenken-Demonstrationen“ anschaut, dürfte die Vermutung, dass bei den Teilnehmenden das Vertrauen in die staatliche Ordnung gering ist, wohl zutreffend sein.</p>



<p><img loading="lazy" decoding="async" width="960" height="540" data-attachment-id="413" data-permalink="https://www.heidsite.de/2021/09/19/trittbrettfahren-in-zeiten-von-corona/crchart-6523_v-videowebl/" data-orig-file="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/11/crchart-6523_v-videowebl.png?fit=960%2C540&amp;ssl=1" data-orig-size="960,540" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="crchart-6523~_v-videowebl" data-image-description="&lt;p&gt;Bewertung Corona-Maßnahmen Umfrage Tagesschau&lt;/p&gt;
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<p>Abb. 4: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/crbilderstrecke-709~_origin-6831e6fa-bcae-49f4-86b1-8d913547336b.html" target="_blank">Deutschlandtrend Extra v. 5.11.2020 ARD Tagesschau</a><br></p>



<p>Obwohl die überwiegende Mehrheit der Deutschen die einschränkenden Coronaregeln befürwortet, gingen für 24 Prozent die neuen Maßnahmen „zu weit“. Interessanterweise entspricht dies ungefähr den Anteilen von Freeridern in Studien zu Public-Goods-Games in westeuropäischen Ländern (vgl. Heidbrink, 2008, S. 137).<br>Natürlich ändert sich der Anteil der Freerider mit den jeweiligen gesellschaftlichen Bedingungen und den jeweilig in Frage stehenden Regeln. Mit einem mehr oder weniger hohen Prozentsatz an Trittbrettfahrern müssen wir jedoch immer rechnen. Die meisten Gesellschaften tun dies auch: Steuerzahler werden von Finanzämtern, der Straßenverkehr durch die Polizei überprüft und sanktioniert. Wenn der Staat die Einhaltung bestimmter Regeln weder überprüft noch ihre Verletzung bestraft, werden diese über kurz oder lang von vielen nicht mehr beachtet.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Tit-for-Tat</h2>



<p>Wir haben gesehen, dass dies nicht am mangelnden guten Willen der Mehrheit liegt, sondern am Ärger über den Unwillen einer Minderheit. Evolutionär hat sich „Tit-for-Tat“ (Wie du mir, so ich dir) als erfolgreiche Strategie erwiesen (vgl. Heidbrink, 2008, S. 141).<br>In der Spielbedingung ohne Bestrafung führt Tit-for-Tat langsam aber sicher zum Erlöschen der Kooperation, da der am wenigsten kooperative Spieler jeweils die Obergrenze des Gemeinschaftsbeitrages bestimmt. In der Bestrafungsbedingung wird nun genau dieser Mechanismus unterbrochen. Allerdings muss der jeweils Geizigste von Zeit zu Zeit erneut bestraft werden, damit nicht wieder eine neue »Abwärtsrunde« die Kooperationsbereitschaft sinken lässt.<br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Fromme Wünsche</h2>



<p>Was wird die Kooperation in Zeiten von Corona aufrecht erhalten und dauerhaft stabilisieren? Die Hoffnung vieler Politiker, man müsse nur die Regeln immer wieder erklären und „alle mitnehmen“, bleibt ein frommer, leider lebensfremder Wunsch. Ohne Kontrollen und Sanktionen verlieren die Bürger das Vertrauen in den Staat: Eigennutz, Egoismus und Aggressivität werden auf Kosten der Solidarität und Kooperation wachsen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Quellen</h2>



<div class="wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="wp-block-group__inner-container">
<div class="wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="wp-block-group__inner-container">
<div class="wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="wp-block-group__inner-container">
<p>Fehr, E. &amp; Gächter, S. (2002). Altruistic punishment in humans. Nature, 415, 137–140. </p>



<p>Gächter, S. (2006). Conditional cooperation: Behavioral regularities from the lab and the field and their policy implications. CeDEx Discussion Paper Series 2006–03, University of Nottingham. </p>



<p>Heidbrink, H. (2008). Einführung in die Moralpsychologie. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Weinheim: Beltz. </p>



<p>Herrmann, B., Thöni, C. &amp; Gächter, S. (2008). Antisocial punishment across societies. Science, 319 (5868), 1362–1367.</p>
</div></div>
</div></div>



<h4 class="wp-block-heading">Anmerkung</h4>



<p>(*) Veröffentlicht am 13.11.2020,  aktualisiert am 19.9.2021</p>



<p>(**) Hieraus sollte man allerdings nicht voreilig den Schluss ziehen, dass in diesen Ländern die Bereitschaft zur Kooperation generell geringer ist. Die Zusammenhänge scheinen komplizierter zu sein (vgl. Heidbrink, 2008, S. 134f).</p>
</div></div>
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		<title>Wissenschaftskritik in der Corona-Krise</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Horst Heidbrink]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 May 2020 21:26:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Covid-19]]></category>
		<category><![CDATA[Heidbrink]]></category>
		<category><![CDATA[Virologie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftskritik]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftstheorie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kritik an der Wissenschaft in der Corona-Krise</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.heidsite.de/2020/05/05/wissenschaft-corona/">Wissenschaftskritik in der Corona-Krise</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.heidsite.de">Heidsite</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Corona-Krise: Die anfänglich positive Stimmung gegenüber der Wissenschaft verschlechtert sich zunehmend. Virologen und Epidemiologen werden beschuldigt, sich ständig zu korrigieren, sich gegenseitig zu widersprechen und letztlich doch nichts Genaues zu wissen. Ich kann mich nicht erinnern, dass sich so viele Leute für wissenschaftliche Studien interessiert haben wie gegenwärtig. Angesichts der Bedrohung durch die Corona-Pandemie ist das große Interesse an einschlägigen Studien natürlich verständlich. Zwischen den Erwartungen an die Wissenschaft und deren Resultaten scheinen allerdings immer größere Diskrepanzen zu entstehen. Die Wissenschaftskritik beruht nicht zuletzt auf Missverständnissen über das Wesen wissenschaftlicher Forschung.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Politik und Wissenschaft</strong></h2>



<p>Zu Beginn der Corona-Krise schien die Arbeitsteilung zwischen Politik und Wissenschaft relativ klar zu sein. Die medizinische Wissenschaft beriet die Politik über die Ausbreitung des Virus und die Möglichkeiten, die exponentielle Steigerung der Infektionen zu bremsen, also die „Kurve abzuflachen“ (flatten the curve). Dies war notwendig, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten und moralisch unhaltbare Zustände wie in Italien (<a href="https://www.heidsite.de/2020/04/14/moralpsychologie-corona/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Triage</a>) zu vermeiden. Die Politik folgte den Ratschlägen der Wissenschaft, die allerdings nicht immer eindeutig waren. Trotzdem konnte die durch die Medien informierte Bevölkerung die wissenschaftlichen Empfehlungen und die politischen Entscheidungen nachvollziehen – so jedenfalls der wiederum von den Medien vermittelte Eindruck.</p>



<p>Mittlerweile ist die Abflachung der Kurve gelungen, eine Überlastung der Intensivstationen konnte erfolgreich vermieden werden. Als Folge dieser Erfolge diskutiert nun die gesamte Republik über Lockerungen der Corona-Einschränkungen. Die anfängliche Einigkeit scheint verloren gegangen zu sein. Die Politik streitet sich über die Zweckmäßigkeit bzw. Angemessenheit der nächsten Lockerungen, auch die Medien und die Bevölkerung scheinen sich in zwei Lager zu spalten. Das eine befürwortet weiterhin die Einschränkungen, das andere hält Lockerungen für längst überfällig. Entscheidungen werden zunehmend in den Bundesländern getroffen, die zentrale Koordinierung durch den Bund schwindet exponentiell.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wissenschaft</strong>skritik</h2>



<p>Und die Wissenschaft? Die anfängliche Bewunderung scheint sich bei vielen in Skepsis zu verwandeln. Politiker, die sich wochenlang mit einem Hausvirologen schmückten, ärgern sich öffentlich über die „täglich wechselnden Zahlen“. Andere kritisieren das Robert-Koch-Institut: Dessen Zahlen vermittelten „eher den Eindruck, politisch motivierte Zahlen zu sein als wissenschaftlich fundiert”, so Bundestagsvizepräsident W. Kubicki am 28.4.2020&nbsp;&nbsp;(<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.rnd.de/politik/kubicki-attackiert-rki-zahlen-wirken-politisch-motiviert-NLMSNIT5H4U2OUE3Z7ARE5XMGE.html" target="_blank">RND v. 28.4.2020</a>).</p>



<p>In den sozialen Netzwerken trübt sich die anfänglich positive Stimmung gegenüber den Virologen und Epidemiologen zunehmend ein. Sie werden beschuldigt, andauernd neue Maßzahlen zu präsentieren, sich zu widersprechen und Vieles gar nicht zu wissen. Verschwörungstheorien machen sich breit, nach denen bestimmte Politiker und Wissenschaftler das gesamte Land absichtlich lahmlegen würden.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Zwei Beispiele</strong></h3>



<p>Zwei Tweets des Virologen Christian Drosten auf Twitter sorgten für große Aufregung. Am 29.4. veröffentlichte Drosten einen Preprint einer eigenen Studie, die auf eine vergleichbar große Viruslast bei infizierten Kindern und Erwachsenen hinwies. Am folgenden Tag folgte der Verweis auf eine chinesischer Studie, nach der die tatsächliche Ansteckungsgefahr bei Kindern bis 14 Jahre deutlich geringer sei als bei Erwachsenen.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-rich is-provider-twitter wp-block-embed-twitter"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="550" data-dnt="true"><p lang="en" dir="ltr">Viral loads by PCR as seen in our laboratories. No significant difference between children and adults. Age categories: Kindergarten (KG), Grade school (GS), Highschool (HS), etc. with age ranges and (counts). <a href="https://t.co/xunzyHEi47">https://t.co/xunzyHEi47</a> <a href="https://t.co/je73hsKrZb">pic.twitter.com/je73hsKrZb</a></p>&mdash; Christian Drosten (@c_drosten) <a href="https://twitter.com/c_drosten/status/1255555995671150597?ref_src=twsrc%5Etfw">April 29, 2020</a></blockquote><script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>
</div></figure>



<figure class="wp-block-embed is-type-rich is-provider-twitter wp-block-embed-twitter"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="550" data-dnt="true"><p lang="en" dir="ltr">Superb new study: Risk of infection upon exposure in children may be about 1/3 that of adults (sorry for the simplification). Important counterpart to yesterday´s viral load data (<a href="https://t.co/XfpT7Iu3ym">https://t.co/XfpT7Iu3ym</a>)<a href="https://t.co/UkOWtEHiJE">https://t.co/UkOWtEHiJE</a></p>&mdash; Christian Drosten (@c_drosten) <a href="https://twitter.com/c_drosten/status/1255788853325115399?ref_src=twsrc%5Etfw">April 30, 2020</a></blockquote><script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>
</div></figure>



<p>Zwei sichtlich verärgerte Antworten auf Christian Drosten, allerdings nicht von Fachkollegen, die eigentlich angesprochen werden sollten:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1186" height="348" data-attachment-id="356" data-permalink="https://www.heidsite.de/2020/05/05/wissenschaft-corona/drosten_kritik2a/" data-orig-file="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Drosten_Kritik2a.jpg?fit=1186%2C348&amp;ssl=1" data-orig-size="1186,348" data-comments-opened="0" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Drosten_Kritik2a" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Drosten_Kritik2a.jpg?fit=300%2C88&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Drosten_Kritik2a.jpg?fit=960%2C281&amp;ssl=1" src="https://i1.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Drosten_Kritik2a.jpg?fit=960%2C281&amp;ssl=1" alt="Wissenschaftskritik auf Twitter" class="wp-image-356" srcset="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Drosten_Kritik2a.jpg?w=1186&amp;ssl=1 1186w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Drosten_Kritik2a.jpg?resize=300%2C88&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Drosten_Kritik2a.jpg?resize=768%2C225&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Drosten_Kritik2a.jpg?resize=1024%2C300&amp;ssl=1 1024w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1186" height="820" data-attachment-id="357" data-permalink="https://www.heidsite.de/2020/05/05/wissenschaft-corona/drosten_kritik1a/" data-orig-file="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Drosten_Kritik1a.jpg?fit=1186%2C820&amp;ssl=1" data-orig-size="1186,820" data-comments-opened="0" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Drosten_Kritik1a" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Drosten_Kritik1a.jpg?fit=300%2C207&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Drosten_Kritik1a.jpg?fit=960%2C664&amp;ssl=1" src="https://i2.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Drosten_Kritik1a.jpg?fit=960%2C664&amp;ssl=1" alt="Wissenschaftskritik auf Twitter" class="wp-image-357" srcset="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Drosten_Kritik1a.jpg?w=1186&amp;ssl=1 1186w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Drosten_Kritik1a.jpg?resize=300%2C207&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Drosten_Kritik1a.jpg?resize=768%2C531&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Drosten_Kritik1a.jpg?resize=1024%2C708&amp;ssl=1 1024w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /></figure>



<p>Wer sich für weitere Reaktionen auf diese beiden Tweets interessiert, mag sie auf Twitter nachlesen. Zum jeweiligen Hintergrund der beiden Studien hat sich Drosten in seinem&nbsp;<a href="https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Podcast am 30.4.2020</a>&nbsp;ausführlich geäußert.</p>



<p>In der&nbsp;<a href="https://www.zdf.de/gesellschaft/markus-lanz/markus-lanz-vom-30-april-2020-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Talkshow „Lanz“ vom 30.4.2020</a>&nbsp;erklärte der Unternehmer Peter Schwenkow, dass sich seine Frau aufgrund einer epidemiologischen Studie entschieden habe, auf ihre beiden Enkel aufzupassen. Nun sei eine weitere Studie erschienen, die die Ansteckungsgefahr von Kindern weitaus höher einschätze und nun wisse weder er noch seine Frau, was sie machen sollten.&nbsp;</p>



<p>Die anwesende Virologin Melanie Brinkmann schien verblüfft und fragte ihn, ob seine Familie ihr Verhalten wirklich an den Ergebnissen einzelner Studien ausrichten würde.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Alltagserfahrung vs. wissenschaftliche Erfahrung</strong></h2>



<p>Diese beiden Beispiele illustrieren die unterschiedlichen Sichtweisen und Erwartungen von Wissenschaftlern und Nicht-Wissenschaftlern.&nbsp;</p>



<p>Unsere Alltagserfahrung lehrt uns, dass Personen, die häufig ihre Meinung wechseln, wenig vertrauenswürdig sind. Was sollen wir glauben, wenn jemand heute dies und morgen jenes behauptet?</p>



<p>In der Wissenschaft sind unterschiedliche Ergebnisse von Studien nicht ungewöhnlich, sondern alltäglich. Besonders wenn sich Fragestellungen und/oder Methoden unterscheiden, sind Unterschiede in den Ergebnissen zu erwarten. Erst aufgrund einer Vielzahl von Studien zu einem bestimmten Untersuchungsbereich können einigermaßen sichere Schlussfolgerungen gezogen werden. „Einigermaßen sicher“ bedeutet gleichzeitig, dass eine letzte Sicherheit in der empirischen Wissenschaft nie zu erreichen ist. Es ist eine wissenschaftstheoretische Binsenweisheit, dass wir uns wissenschaftlich der Wahrheit immer nur annähern können, sie aber nie gänzlich erreichen werden (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kritischer_Rationalismus" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kritischer Rationalismus</a>).&nbsp;</p>



<p>Methodisch versucht man in den empirischen Wissenschaften Hypothesen also immer zu widerlegen, da man sie aus logischen Gründen nicht beweisen kann. Je häufiger diese Widerlegung missglückt, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Hypothese zutrifft. Letztlich schließt aber auch eine derartige „Bewährung“ nicht aus, dass sich irgendwann in der Zukunft unsere Annahmen als falsch erweisen könnten.</p>



<p>Wissenschaft ist also nicht unfehlbar. Ganz im Gegenteil: Fehlbarkeit ist ein immanentes Merkmal wissenschaftlichen Arbeitens. Unfehlbarkeit mag ein Merkmal von Glaubenssätzen sein, die sich durch ihre Unwiderlegbarkeit auszeichnen. Annahmen, die wir nicht widerlegen können, müssen deswegen nicht falsch sein. „Gott hat die Welt erschaffen“, ist eine Annahme, die wir nicht widerlegen können. Sie mag richtig oder falsch sein, auf keinen Fall handelt es sich um eine wissenschaftliche Aussage.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Welche Schlussfolgerungen können wir nun ziehen?</strong></h2>



<p>Wenn wissenschaftliche Erkenntnisse immer fehlerbehaftet sein können, warum sollten wir ihnen vertrauen? Vor allem, wenn es um Leben und Tod geht? Oder unsere wirtschaftliche Existenz?</p>



<p>So gestellt macht diese Frage leider wenig Sinn. Es gehört ja gerade zu den Errungenschaften der modernen Wissenschaften, dass sie ihre „Unsicherheiten“ offenlegen. Statistische Verfahren, die in den wissenschaftlichen Ergebnisdarstellungen wissenschaftlicher Studien meist einen breiten Raum einnehmen, sollen jeweils eine Einschätzung ermöglichen, wie groß die Sicherheit bzw. Unsicherheit der gewonnenen Erkenntnisse ist. Hier – und nicht in den Zusammenfassungen (Abstracts) – können andere Wissenschaftler erkennen, wie vertrauenswürdig die Ergebnisse sind.</p>



<p>Natürlich sagen nicht nur die statistischen Kennwerte etwas über die Seriosität und Bedeutsamkeit von Studienergebnissen aus. Nur wenn eine Studie insgesamt sinnvoll angelegt ist und den Kriterien ihres Faches entspricht, ergeben die Ergebnisse überhaupt erst einen Sinn.</p>



<p>Daher ist es auch fast unmöglich, dass Wissenschaftler die Qualität einer komplexen Studie eines anderen Faches einschätzen können. Aus diesem Grund werden Studien vor ihrer Veröffentlichung in wissenschaftlichen Zeitschriften auch von fachlich kompetenten anderen Wissenschaftlern begutachtet.</p>



<p>Ich will und kann also die Qualität und Aussagekraft einzelner virologischer und epidemiologischer Studien nicht beurteilen. Dies ist der einschlägigen Scientific Community vorbehalten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Empfehlungen</strong></h2>



<p>Die erste Empfehlung bezieht sich auf die Kommunikation der sogenannten „Heinsberg-Studie“, die ja schon hinsichtlich der Vorveröffentlichung von Zwischenergebnissen in die Kritik geraten ist.</p>



<p>Am 4.5.2020 sagte Hendrik Streeck im Heute-Journal zum Abschluss der Präsentation der Ergebnisse der Heinsberg-Studie auf die Frage von Klaus Kleber, ob er denn nun weitere Lockerungen befürworten könne oder nicht: </p>



<blockquote class="wp-block-quote">
<p>„Ich bin Virologe und Infektionsepidemiologe, ich kann keine Empfehlungen abgeben, keine Empfehlungen an die Politik geben. Das ist wirklich eine Aufgabe der Politik und der Gesellschaft, diese Daten, diese Studie zu beurteilen, sie mit einzubeziehen in die Entscheidungen. Aber ich werde mich hüten, da eine Aussage zu treffen – oder eine Empfehlung darauf basierend aussprechen.“ (<a rel="noreferrer noopener" href="https://downloadzdf-a.akamaihd.net/mp4/zdf/20/05/200504_sendung_hjo/3/200504_sendung_hjo_1628k_p13v15.mp4" target="_blank">Heute Journal vom 4.5.2020</a>).</p>
</blockquote>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1944" height="1124" data-attachment-id="335" data-permalink="https://www.heidsite.de/2020/05/05/wissenschaft-corona/bildschirmfoto-2020-05-05-um-11-44-10/" data-orig-file="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Bildschirmfoto-2020-05-05-um-11.44.10.png?fit=1944%2C1124&amp;ssl=1" data-orig-size="1944,1124" data-comments-opened="0" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Bildschirmfoto-2020-05-05-um-11.44.10" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Bildschirmfoto-2020-05-05-um-11.44.10.png?fit=300%2C173&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Bildschirmfoto-2020-05-05-um-11.44.10.png?fit=960%2C555&amp;ssl=1" src="https://i2.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Bildschirmfoto-2020-05-05-um-11.44.10.png?fit=960%2C555&amp;ssl=1" alt="" class="wp-image-335" srcset="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Bildschirmfoto-2020-05-05-um-11.44.10.png?w=1944&amp;ssl=1 1944w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Bildschirmfoto-2020-05-05-um-11.44.10.png?resize=1536%2C888&amp;ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Bildschirmfoto-2020-05-05-um-11.44.10.png?resize=1194%2C690&amp;ssl=1 1194w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Bildschirmfoto-2020-05-05-um-11.44.10.png?resize=300%2C173&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Bildschirmfoto-2020-05-05-um-11.44.10.png?resize=768%2C444&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/05/Bildschirmfoto-2020-05-05-um-11.44.10.png?resize=1024%2C592&amp;ssl=1 1024w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /><figcaption class="wp-element-caption">ZDF Heute Journal vom 4.5.2020</figcaption></figure>



<p>So nachvollziehbar diese Reaktion nach den bisherigen Versuchen einer politische Einvernahme gerade seiner Person in NRW auch sein mag, der Wissenschaft und insbesondere seiner Disziplin tut Streeck hier keinen Gefallen.&nbsp;</p>



<p>Wenn seine Daten weder für noch gegen schnelle weitere Lockerungen sprechen, dann sollte er dies entweder offen sagen – oder auf einen Auftritt in einer zentralen politischen Nachrichtensendung verzichten. Es ist natürlich nicht die Aufgabe der Politik und der Gesellschaft, die von ihm erhobenen Daten zu beurteilen und zu interpretieren. Dies ist zunächst eine genuin wissenschaftliche Aufgabe. Die Ergebnisse einer Studie müssen dann so aufbereitet und präsentiert werden, dass die Politik überhaupt eine Chance bekommt, sie in ihre Entscheidungen einzubeziehen.&nbsp;</p>



<p>Tatsächlich ist es nicht die Aufgabe eines Virologen, politische Entscheidungen zu treffen. Aber dies ist ja eine Binsenweisheit.&nbsp;</p>



<h3 class="wp-block-heading">Föderalismus als wissenschaftliche Chance</h3>



<p>Abschließend noch ein konkreter Vorschlag in Hinblick auf die weiteren Lockerungen! Da das Ende gemeinsamer Schritte der Bundesländer mittlerweile offensichtlich ist, sollte man die jetzigen „Alleingänge“ wissenschaftlich nutzen. Es gibt viele offene Fragen: So wissen wir nicht, wie und in welcher Reihenfolge wir Kitas, Grundschulen und weiterführende Schulen am sinnvollsten öffnen, welche Hygienemaßnahmen sinnvoll und welche überflüssig sind. Diese Fragen können in verschiedenen Szenarien&nbsp;in unterschiedlichen Bundesländern in wissenschaftlich sinnvoll abgestimmter Weise empirisch geprüft werden. Dies gilt nicht nur für Kitas und Schulen, sondern auch für Gaststätten, Hotels, Konzertsäle und alle anderen bislang geschlossenen oder eingeschränkten Bereiche.</p>



<p>Virologen und Epidemiologen müssten hierzu sinnvolle Untersuchungspläne erarbeiten, die dann von den Bundesländern umgesetzt werden könnten.&nbsp;</p>



<p>Natürlich würde dies nicht zu bundeseinheitlichen Vorgehensweisen führen, aber die Unterschiede wären nicht willkürlich, sondern geplant. Sie würden uns allen wichtige Erkenntnisse für weitere Entscheidungen liefern.&nbsp;</p>



<pre class="wp-block-preformatted">Bildnachweis: Bildblog v. 5.5.2020 auf Twitter
<a rel="noreferrer noopener" href="https://twitter.com/BILDblog/status/1257726482291527682" target="_blank">https://twitter.com/BILDblog/status/1257726482291527682 </a></pre>



<p></p>
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		<item>
		<title>Moralpsychologie in Zeiten von Corona (Teil II)</title>
		<link>https://www.heidsite.de/2020/04/23/moralpsychologie-corona2/</link>
					<comments>https://www.heidsite.de/2020/04/23/moralpsychologie-corona2/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Horst Heidbrink]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Apr 2020 20:43:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Coronavirus]]></category>
		<category><![CDATA[Heidbrink]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
		<category><![CDATA[Moralpsychologie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.heidsite.de/?p=296</guid>

					<description><![CDATA[<p>Moralpsychologie in Zeiten von Corona (Teil II)<br />
Momentan diskutiert die ganze Republik die ersten Schritte einer vorsichtigen Lockerung der bisher geltenden Pandemie-Einschränkungen.<br />
Bei diesen Diskussionen kann man die unterschiedlichen und häufig kontroversen Argumente grob drei unterschiedlichen Bereichen zuordnen: (1) dem Bereich der Wissenschaft, (2) dem Bereich der Politik und (3) dem Bereich der Moral.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.heidsite.de/2020/04/23/moralpsychologie-corona2/">Moralpsychologie in Zeiten von Corona (Teil II)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.heidsite.de">Heidsite</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><a href="https://www.heidsite.de/2020/04/14/moralpsychologie-corona/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Im vorigen Beitrag</a> habe ich mich mit den dramatischen Fragen der Triage beschäftigt. Im Moment hoffen wir alle, dass unser Gesundheitssystem dem Ansturm von Corona-Patienten standhält und es keine tödliche Konkurrenz um Intensivbetten geben wird.</p>



<p>Stattdessen diskutiert die ganze Republik die ersten Schritte einer vorsichtigen Lockerung der bisher geltenden Pandemie-Einschränkungen.</p>



<p>Bei diesen Diskussionen kann man die unterschiedlichen und häufig kontroversen Argumente grob drei unterschiedlichen Bereichen zuordnen: (1) dem Bereich der Wissenschaft, (2) dem Bereich der Politik und (3) dem Bereich der Moral.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>1. Die Wissenschaft</strong></h2>



<p>Schauen wir zunächst auf die wissenschaftlichen Argumente, die vor allem aus dem medizinischen Bereich der Virologie und Epidemiologie kommen. Wie werden sich bestimmte Lockerungen (Öffnungen von Geschäften, Kirchen, Schulen, etc.) auf den Fortgang der Infektionen auswirken? Werden wichtige Kennzahlen (R) weiter sinken oder plötzlich wieder ansteigen? Können wir die Infektionskurve flach halten oder wird sie durch die Lockerungen wieder schnell ansteigen? Hierzu gibt es eine zunehmende Zahl wissenschaftlicher Studien, die beispielsweise aufgrund epidemiologischer&nbsp;Modellierungen Prognosen ermöglichen.</p>



<p>Die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen haben massive Auswirkungen auf die Wirtschaft und die gesamte Gesellschaft. Ökonomen versuchen das Ausmaß der wirtschaftlichen Schäden zu schätzen, viele andere Wissenschaften analysieren weitere gesellschaftliche Auswirkungen. Von der Pandemie ist neben dem Gesundheitssystem vor allem auch das Bildungssystem betroffen.&nbsp;</p>



<p>Die Einschränkungen sollen die Ausbreitung des Virus eindämmen, die Lockerungen die negativen Nebenwirkungen des Lockdowns mildern und langsam wieder zu einer „neuen Normalität” führen, also zu einer Normalität&nbsp;<em>mit</em>&nbsp;der Pandemie.&nbsp;</p>



<p>Ist es angemessen, dass nur Geschäfte bis zu einer Größe von 800 qm öffnen dürfen? Ist es nicht ungerecht, dass Restaurants und Cafés immer noch geschlossen bleiben müssen? Warum dürfen Autohäuser öffnen, Möbelgeschäfte aber nicht – es sei denn, sie befinden sich in NRW? Ist es richtig, dass die Schulen schrittweise wieder geöffnet werden, die Kitas aber weiterhin geschlossen bleiben?&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>2. Die Politik</strong></h2>



<p>Auf viele diese Fragen gibt uns die Medizin bislang keine eindeutigen Antworten. Die Entscheidungen für bestimmte Lockerungen (und gegen andere) sind also politische Entscheidungen. Vordergründung bedeutet dies ja nur, dass es sich um Entscheidungen handelt, die von Politikern bzw. politischen Instanzen getroffen werden. Gleichzeitig implizieren politische Entscheidungen immer auch bestimmte Wertentscheidungen. Offenbar sind im Moment Autohäuser wichtiger als Möbelgeschäfte. Virologen haben diesbezüglich wohl keine Präferenzen – dem Virus ist es egal, ob es sich in Auto- oder Möbelhäusern verbreiten kann. In NRW darf es sich in beiden Häusern verbreiten, weil die Möbelindustrie hier wirtschaftlich besonders wichtig ist.</p>



<p>Es handelt sich also um eine Wertentscheidung: Der Schaden durch einen weiteren Stillstand der Möbelsparte wird in diesem Bundesland offenbar höher eingeschätzt als die Risiken durch zusätzliche Infektionen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>3. Die Moral&nbsp;</strong></h2>



<p>Politische Entscheidungen und ihre Begründungen besitzen einen „moralischen Kern”, da sie in ihren Konsequenzen Auswirkungen auf das Wohlergehen oder sogar das Leben der Bürger haben.&nbsp;</p>



<p>In den Diskussionen über die Pandemie wird immer betont, dass die Sorge um die Gesundheit an erster Stelle stehen müsse. Aus medizinischer Sicht ist dies selbstverständlich, es wird aber auch von Seiten der Politik und auch der Wirtschaft betont. Wenn dies allgemeiner Konsens ist, müssten dann nicht alle Entscheidungen immer zugunsten eines strikten Schutzes vor Infektionen getroffen werden?&nbsp;</p>



<p>Offenbar ist die Situation komplizierter als sie zunächst erscheinen mag. So stehen sich Gesundheitsfürsorge und Wirtschaft nicht gegenüber, sondern sind – und hierauf haben Wirtschaftswissenschaftler frühzeitig hingewiesen – eng miteinander verflochten. Wenn uns die Gesundheit wichtig ist, dann müssen wir Menschen nicht nur vor dem Virus schützen, sondern auch vor Gefährdungen, die durch wirtschaftliche Notlagen hervorgerufen werden. Also: Was macht es für einen Sinn, wenn wir jemanden vor der Virusinfektion schützen, aber nicht vor der finanziellen Pleite, die ihn am Leben verzweifeln lässt?</p>



<p>Vielleicht denken Sie jetzt, dass derartige Abwägungen ja richtig sein mögen, letztlich aber doch die Erhaltung und Rettung von Menschenleben die höchste Priorität haben muss. Allerdings gilt weder bei uns noch in anderen Gesellschaften diese Priorität uneingeschränkt.</p>



<p>So stellt der Deutschen Ethikrat in seiner Empfehlung zur Corona-Krise fest: „Auch der gebotene Schutz menschlichen Lebens gilt nicht absolut. Ihm dürfen nicht alle anderen Freiheits- und Partizipationsrechte sowie Wirtschafts-, Sozial- und Kulturrechte bedingungslos nach- bzw. untergeordnet werden. Ein allgemeines Lebensrisiko ist von jedem zu akzeptieren“ (<a href="https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Ad-hoc-Empfehlungen/deutsch/ad-hoc-empfehlung-corona-krise.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ethikrat, 2020</a>).</p>



<p>Es werden keineswegs alle Menschen gerettet, die wir retten könnten. Jährlich sterben tausende Menschen bei Autounfällen, trotzdem verbieten wir Autos nicht. Noch mehr Personen dürften durch Rauchen oder Alkohol sterben. Auch in diesen Bereichen haben wir allenfalls vorsichtige Einschränkungen, aber keine strikten Verbote. Die sog. Widerspruchslösung bei der Organspende wurde vom Bundestag 2019 mehrheitlich abgelehnt, obwohl mit ihr sicherlich mehr Menschenleben gerettet worden wären als mit der beschlossenen &#8222;erweiterten&#8220; Zustimmungslösung. Wäre die Widerspruchslösung moralisch nicht besser gewesen?</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was ist eigentlich „gut“?</strong></h2>



<p>Um in diesem Punkt etwas mehr Klarheit zu gewinnen, müssen wir uns einen Augenblick mit der Frage beschäftigen, was mit den Wörtern „gut” bzw. „besser” eigentlich gemeint ist. Wenn mir mein Arzt sagt, es wäre „gut”, wenn ich mich streng an alle Kontaktbeschränkungen halte, so meint er hiermit genau genommen Folgendes: „Es ist gut für Sie, falls Sie in erster Linie gesund bleiben wollen” (Spaemann, 1982).</p>



<p>Der Arzt beurteilt „gut” in Hinblick auf Gesundheit, er kann aber als Arzt nicht darüber urteilen, wie wichtig mir selbst meine Gesundheit ist.&nbsp;</p>



<p>Dies gilt natürlich auch für Politiker, die älteren Menschen empfehlen oder sogar vorschreiben, sich nicht mehr mit ihren Kindern oder Enkeln zu treffen. Sie halten dies für „gut” in Bezug auf den Gesundheitsschutz&nbsp;&nbsp;für besonders gefährdete Personengruppen.&nbsp;</p>



<p>Bei all diesen Ratschlägen bezieht sich das Wort „gut” immer darauf, dass etwas für irgend jemanden in einer bestimmten Hinsicht gut ist. „Gut” wird hier also nicht in einem moralischen Sinn definiert, sondern in Bezug auf eine Mittel-Zweck-Relation. Erst wenn zwischen Interessen oder Gesichtspunkten ein Konflikt auftaucht, bekommt das Wort „gut” einen absoluten (deontischen) Sinn, man muss entscheiden, was „eigentlich und wirklich” gut ist (vgl. Spaemann, 1982).</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Mittel zum Zweck</strong></h2>



<p>Politisch Entscheidungen wägen also immer zwischen unterschiedlichen Gesichtspunkten und Interessen ab. Ob diese Entscheidungen (im instrumentellen Sinn) gut oder schlecht sind, hängt davon ab, ob sie zu den gewünschten Ergebnissen führen, also die eingesetzten Mittel tatsächlich den festgelegten Zweck&nbsp;&nbsp;erreichen. In der gegenwärtigen Krise können uns die medizinischen Experten noch am besten sagen, welche Maßnahmen sich wie auswirken werden. Die letzten Wochen haben allerdings gezeigt, dass sich die medizinischen Experten immer wieder revidieren mussten. Auch waren sie sich mit ihren Ratschlägen nicht immer einig.</p>



<p>Bislang war der Zweck aller Maßnahmen eine Abflachung der Infektionskurve, um unser Gesundheitssystem nicht zu überlasten, also z. B. genügend Beatmungsplätze für die schweren Fälle zu haben. Gleichzeitig war aber von vornherein klar, dass es trotzdem zu vielen Todesfällen kommen würde, da sich viele Schwererkrankte auch intensivmedizinisch nicht würden retten lassen.</p>



<p>Eine völlige Vermeidung von Todesfällen ist bislang (ohne Impfungen und wirksame Medikamente) nicht möglich. Die Diskussion um die sog. „Übersterblichkeit“ in den Medien und den sozialen Netzwerken zeigt, dass es mittlerweile viele gibt, die Todesfälle durch das Virus durchaus akzeptieren, wenn (und dies scheint bislang der Fall zu sein) vor allem sehr alte Personen bzw. Personen mit deutlichen gesundheitlichen „Vorschädigungen“ betroffen sind.&nbsp;</p>



<p class="has-drop-cap">Der 80jährige Besitzer der Restaurantkette „Blockhouse“ Eugen Block machte gegenüber dem <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/eugen-block-ueber-corona-dann-sterbe-ich-eben-drei-tage-frueher-na-und-a-00000000-0002-0001-0000-000170518583" target="_blank" rel="noreferrer noopener">SPIEGEL (17.4.2020)</a> seinem Ärger über die deutsche Regierung Luft, insbesondere über den Gesundheitsminister Jens Spahn.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/eugen-block-ueber-corona-dann-sterbe-ich-eben-drei-tage-frueher-na-und-a-00000000-0002-0001-0000-000170518583" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" width="960" height="623" data-attachment-id="299" data-permalink="https://www.heidsite.de/2020/04/23/moralpsychologie-corona2/bildschirmfoto-2020-04-22-um-21-11-19/" data-orig-file="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-21.11.19.png?fit=1410%2C914&amp;ssl=1" data-orig-size="1410,914" data-comments-opened="0" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Bildschirmfoto-2020-04-22-um-21.11.19" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-21.11.19.png?fit=300%2C194&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-21.11.19.png?fit=960%2C623&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-21.11.19.png?resize=960%2C623&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-299" srcset="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-21.11.19.png?resize=1024%2C664&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-21.11.19.png?resize=300%2C194&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-21.11.19.png?resize=768%2C498&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-21.11.19.png?resize=1194%2C774&amp;ssl=1 1194w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-21.11.19.png?w=1410&amp;ssl=1 1410w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" data-recalc-dims="1" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Restaurantkettenbesitzer Eugen Block im SPIEGEL (17.4.2020)</figcaption></figure>



<p><a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/eugen-block-ueber-corona-dann-sterbe-ich-eben-drei-tage-frueher-na-und-a-00000000-0002-0001-0000-000170518583"></a>So oder ähnlich argumentieren viele: „Warum sollen wir die gesamte Wirtschaft zerstören, wenn das Virus nicht mehr Personen tötet als sowieso in diesem Jahr gestorben wären?“ Oder: „Warum sollen wir die gesamte Wirtschaft zerstören, wenn das Virus nicht mehr Personen tötet als in manchen Jahren durch eine Virusgrippe sterben?“</p>



<p>Vielleicht finden Sie diese Argumente moralisch empörend. Trotzdem können wir sie nicht einfach von der Hand weisen. Versuchen wir hierzu eine Rechnung, wie viel uns ein Menschenleben wert sein darf. </p>



<p>Wenn man annimmt, dass unsere Wirtschaft durch den Lockdown einen Schaden von einer Billion Euro erleidet und ohne den Lockdown ca. 100.000 Personen zusätzlich gestorben wären, dann hätten wir für deren Rettung pro Person ca. 10 Millionen Euro aufgewendet.</p>



<p class="has-drop-cap">Steht dieser Aufwand in irgendeinem Verhältnis zum Wert des menschlichen Lebens? Kann und darf man den Wert des menschlichen Lebens berechnen? Immanuel Kant hat dies bestritten, Ökonomen tun es trotzdem (einen kurzen Eindruck vermittelt die&nbsp;<a href="https://www.forbes.com/sites/theapothecary/2020/03/27/how-economists-calculate-the-costs-and-benefits-of-covid-19-lockdowns/#77bb2b636f63" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Forbes-Grafik vom 27.3.2020</a>).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://www.forbes.com/sites/theapothecary/2020/03/27/how-economists-calculate-the-costs-and-benefits-of-covid-19-lockdowns/#492096a26f63" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" width="1432" height="1200" data-attachment-id="300" data-permalink="https://www.heidsite.de/2020/04/23/moralpsychologie-corona2/bildschirmfoto-2020-04-22-um-21-47-12/" data-orig-file="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-21.47.12.png?fit=1432%2C1200&amp;ssl=1" data-orig-size="1432,1200" data-comments-opened="0" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Bildschirmfoto-2020-04-22-um-21.47.12" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-21.47.12.png?fit=300%2C251&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-21.47.12.png?fit=960%2C804&amp;ssl=1" src="https://i1.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-21.47.12.png?fit=960%2C804" alt="" class="wp-image-300" srcset="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-21.47.12.png?w=1432&amp;ssl=1 1432w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-21.47.12.png?resize=300%2C251&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-21.47.12.png?resize=1024%2C858&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-21.47.12.png?resize=768%2C644&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-21.47.12.png?resize=1194%2C1001&amp;ssl=1 1194w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Unterschiedliche Quantifizierungen des menschlichen Lebens (Forbes-Grafik, 27.3.2020)</figcaption></figure>



<p><a href="https://www.forbes.com/sites/theapothecary/2020/03/27/how-economists-calculate-the-costs-and-benefits-of-covid-19-lockdowns/#77bb2b636f63"></a>Die Problematik der Berechnung des ökonomischen Wertes von Menschenleben haben Benjamin Bidder am&nbsp;<a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/corona-und-die-wirtschaft-was-darf-ein-leben-kosten-a-29353c88-18f7-4677-9b6a-210aed574386" target="_blank" rel="noreferrer noopener">14.4.2020 im SPIEGEL</a>&nbsp;und Katrin Zeug auf&nbsp;<a href="https://www.zeit.de/zeit-wissen/2018/01/wert-menschen-gedankenexperiment-summe/komplettansicht" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zeit Online am 23.1.2018</a>&nbsp;dargelegt. Aus philosophischer Sicht erklärte Volker Gerhardt mit Rückgriff auf Immanuel Kant in der&nbsp;<a href="https://www.sueddeutsche.de/wissen/ethik-ist-jedes-leben-gleich-viel-wert-1.830750-0#seite-2" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Süddeutschen Zeitung am 17.5.2020</a>, ob man ein Leben mit Geld aufwiegen kann.</p>



<p>Trotz aller philosophischen Skrupel gegenüber solchen Berechnungen denken Sie vielleicht, dass 10 Millionen zur Rettung eines Menschen, der womöglich bereits über 80 Jahre alt ist, doch deutlich zu viel sind.</p>



<p>Oder Sie denken, dass es nur darauf ankommt, ob unsere Gesellschaft diese Kosten ohne bleibende Schäden tragen kann.&nbsp;</p>



<p>Vielleicht haben Sie erkannt, dass die obige Berechnung völlig falsch ist. Dass sie von falschen Zahlen ausgeht und keineswegs als Grundlage einer moralischen Bewertung dienen kann.</p>



<p>Tatsächlich habe ich die Zahlen ziemlich frei erfunden. Sie können also völlig falsch sein. Ich weiß es nicht.&nbsp;</p>



<p>Warum dann dieses Beispiel? Es soll stellvertretend zeigen, dass es in der gesamten Diskussion über das Für und Wider von Pandemie-Maßnahmen&nbsp;eine Vermischung von Sachargumenten und moralischen Bewertungen gibt.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Moralische Bewertung von Argumenten</strong></h2>



<p>Wenn Sie sich fragen, wie Sie Pro- und Contra-Argumente im Rahmen der Pandemie-Maßnahmen bewerten sollen, müssen Sie zunächst prüfen, ob die Argumente sachlich überhaupt stichhaltig sind. Welche Annahmen sind wissenschaftlich begründet, zu welchen gibt es bislang keine wissenschaftlichen Studien, welche sind aus wissenschaftlicher Sicht unsinnig?&nbsp;</p>



<p>Woher sollen Sie das wissen? Alle Informationen finden sich in seriösen Quellen im Netz. Wenn Sie weder Zeit noch Lust haben, sich zu informieren, dann kann ich Ihnen nur die beiden folgenden Regeln empfehlen.&nbsp;</p>



<h4 class="wp-block-heading"><em>1. Je restriktiver die Einschränkungen, desto niedriger die Anzahl der Toten und desto höher der wirtschaftliche und gesellschaftliche Schaden.</em></h4>



<h4 class="has-very-dark-gray-color has-text-color wp-block-heading"><em>2. Je schneller und umfassender die Lockerungen, desto höher die Anzahl der Toten und desto geringer der wirtschaftliche Schaden.&nbsp;</em></h4>



<p></p>



<p>Wenn Leute behaupten, dass man auch beides erreichen könne, also umfassende Lockerungen ohne eine Erhöhung der Todesrate, glauben Sie ihnen nicht! Schauen Sie sich stattdessen die folgenden Abbildungen der&nbsp;<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.nytimes.com/interactive/2020/04/21/world/coronavirus-missing-deaths.html" target="_blank">New York Times vom 21.4.2020</a>&nbsp;zur bereits jetzt feststellbaren Übersterblichkeit in vielen Ländern an!</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://www.nytimes.com/interactive/2020/04/21/world/coronavirus-missing-deaths.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img loading="lazy" decoding="async" width="2506" height="1110" data-attachment-id="301" data-permalink="https://www.heidsite.de/2020/04/23/moralpsychologie-corona2/bildschirmfoto-2020-04-22-um-16-12-13/" data-orig-file="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-16.12.13.png?fit=2506%2C1110&amp;ssl=1" data-orig-size="2506,1110" data-comments-opened="0" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Bildschirmfoto-2020-04-22-um-16.12.13" data-image-description="" data-image-caption="" data-medium-file="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-16.12.13.png?fit=300%2C133&amp;ssl=1" data-large-file="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-16.12.13.png?fit=960%2C426&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-16.12.13.png?fit=960%2C426" alt="" class="wp-image-301" srcset="https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-16.12.13.png?w=2506&amp;ssl=1 2506w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-16.12.13.png?resize=300%2C133&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-16.12.13.png?resize=1024%2C454&amp;ssl=1 1024w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-16.12.13.png?resize=768%2C340&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-16.12.13.png?resize=1536%2C680&amp;ssl=1 1536w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-16.12.13.png?resize=2048%2C907&amp;ssl=1 2048w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-16.12.13.png?resize=1194%2C529&amp;ssl=1 1194w, https://i0.wp.com/www.heidsite.de/wp-content/uploads/2020/04/Bildschirmfoto-2020-04-22-um-16.12.13.png?w=1920&amp;ssl=1 1920w" sizes="(max-width: 960px) 100vw, 960px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><a href="https://www.nytimes.com/interactive/2020/04/21/world/coronavirus-missing-deaths.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Übersterblichkeit in unterschiedlichen Ländern (New York Times, 21.4.2020)</a></figcaption></figure>



<p><a href="https://www.nytimes.com/interactive/2020/04/21/world/coronavirus-missing-deaths.html?smid=tw-share"></a>Falls Sie für die zweite Regel plädieren, sollten Sie allerdings bedenken, dass dieses Vorgehen möglicherweise die Wirtschaft am nachhaltigsten schädigt. Jedenfalls dann, wenn man aufgrund einer zu hohen Todesquote einen zweiten Lockdown anordnen muss.&nbsp;</p>



<p><strong>Reise nach Jerusalem&nbsp;</strong></p>



<p>Es gibt eine gute Möglichkeit um zu prüfen, welcher Lösung man bei einem moralischen Problem zustimmen sollte: die <em>Reise nach Jerusalem!</em> Hierbei wird von jeder Person verlangt, abwechselnd den Platz jedes anderen einzunehmen und das moralische Problem aus dessen Perspektive zu beurteilen. Mit dem alten Kinderspiel gleichen Namens hat diese Methode also nur im übertragenen Sinne etwas zu tun.</p>



<p>Wenn es um eine schnelle Öffnung von Gaststätten geht, dann kann man gedanklich die Wirtin, die Kellner, die Stammgäste, aber auch die Familienmitglieder der Gäste auftreten lassen. Sie müssen zunächst eine Lösung finden, erst danach wird Ihnen Ihre Rolle zugewiesen. Sie wissen also noch nicht, ob Sie die Wirtin, der Kellner oder der Großvater Ihrer Stammgäste sein werden. Vielleicht sollten Sie auch den Finanzminister mit in die Reihe der Betroffenen einbeziehen.</p>



<p class="has-drop-cap">Wenn es um das eigene Verhalten in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten geht, dann können Sie überlegen, ob Sie und ihre Familie die Abstands- und Kontaktbeschränkungen sorgsam einhalten werden. Werden Sie die Kinder von den Großeltern fernhalten, Treffen mit den Freunden unterlassen? Wenn Sie bereits Enkel haben, werden Sie auf den Kontakt zu ihnen verzichten? Welche die Regeln werden Sie einhalten, welche werden Sie ignorieren? Aus welchen Gründen?&nbsp;</p>



<p>Prüfen Sie also jeweils, in welcher Rolle Sie von einer Entscheidung profitieren und in welcher Sie sich ernsthaften Risiken aussetzen.</p>



<p>Finden Sie jeweils Lösungen, mit der Sie aus jeder Position einverstanden sein können?&nbsp;</p>



<pre class="wp-block-preformatted"><strong>Bildnachweis</strong>
Wikimedia Commons https://commons.wikimedia.org/wiki/File:SARS-CoV-2_without_background.png
<strong>Quellen</strong>
Spaemann, R. (1982). Moralische Grundbegriffe. München: C. H. Beck</pre>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.heidsite.de/2020/04/23/moralpsychologie-corona2/">Moralpsychologie in Zeiten von Corona (Teil II)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.heidsite.de">Heidsite</a>.</p>
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		<title>Moralpsychologie in Zeiten von Corona</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Horst Heidbrink]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Apr 2020 19:26:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Zeiten von Corona werden wir plötzlich mit moralischen Problemen konfrontiert, in denen es um Leben und Tod gehen kann. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.heidsite.de/2020/04/14/moralpsychologie-corona/">Moralpsychologie in Zeiten von Corona</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.heidsite.de">Heidsite</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow">
<p class="has-drop-cap">Moralische Dilemmata, in denen es um Leben und Tod geht, schienen bislang für die meisten von uns fiktive Probleme von Moralphilosophen oder Moralpsychologen zu sein. Darf ich ein für mich unbezahlbares Krebsmittel stehlen, um meine Frau zu retten? Soll man eine Weiche umstellen, damit ein Güterzug nur eine Person und nicht fünf tötet?&nbsp;</p>



<p>Plötzlich wird uns durch ein Virus deutlich, dass diese Fragen sich direkt vor unserer Haustür stellen können. Dass nicht nur „<a href="https://www.heidsite.de/2016/11/02/moralisches-dilemma/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Heinz</a>“ mit ihnen konfrontiert ist, sondern wir alle. Wir müssen plötzlich unser eigenes Verhalten rigoros verändern, zu unserem eigenen Schutz und zum Schutz von Verwandten, Freunden, Bekannten und Nachbarn – aber auch zum Schutz von Menschen, die uns völlig unbekannt sind.&nbsp;</p>



<p>Viele müssen jetzt entscheiden, was für sie an erster (zweiter, dritter …) Stelle steht: die eigene Gesundheit, das Wohlergehen der Familie, die Hilfe für Nachbarn, für besonders gefährdete Menschen. Darf der Opa noch auf das geliebte Enkelkind aufpassen? Oder ist es rücksichtslos, ihn einer zusätzlichen Gefährdung auszusetzen? Soll der Vater nicht zur Arbeit gehen, obwohl er Krankenpfleger ist? Soll die Ärztin für ihr Kind einen Notplatz in der Kita beanspruchen, obwohl sie weiß, dass es bei den gesunden Großeltern gut aufgehoben wäre?</p>



<p>Plötzlich ergibt sich eine Vielzahl von Problemen, für die wir keine routinemäßigen Lösungen haben. Bei denen wir uns Gefahren ausgesetzt sehen, deren Risiken wir weder präzise einschätzen noch gegeneinander abwägen können. Nahezu stündlich bekommen wir neue Informationen über die Infektions- und Todeszahlen. Das Virus rückt unaufhaltsam näher, in unser Land, in unsere Stadt, in unseren Wohnbezirk, in unsere Straße.</p>



<p>Viele Menschen bieten plötzlich ihre Hilfe an. Sie kaufen für diejenigen ein, die dies nicht mehr selbst können bzw. dürfen. Natürlich gibt es auch Personen, die die aktuelle Notlage ausnutzen. Schutzmasken kosten plötzlich das Hundertfache des Preises von vor ein paar Wochen. Große Konzerne stoppen ihre Mietzahlungen aufgrund eines neuen Gesetzes, das gar nicht für sie gedacht war.</p>



<p>Desinfektionsmittel werden in Kliniken unerlaubt entwendet, Friseure suchen ihre Kunden zuhause auf und übertragen so vielleicht das Virus in viele Haushalte (oder auch nicht).</p>



<p>Wenn wir, wie manche Politiker sagen, im Krieg gegen das Virus sind, dann zeigen sich schon jetzt die „Kriegsgewinnler“, die die Not der anderen skrupellos ausnutzen.&nbsp;</p>



<p>Was denken die sich eigentlich? Ist es ihnen egal, wenn sich andere durch ihr Verhalten infizieren, vielleicht schwer krank werden oder sterben?&nbsp;&nbsp;Was denke ich mir selbst, wenn ich heute mit einem leichten Kratzen im Hals einkaufen gehe?&nbsp;</p>
</div></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Empfehlungen des Deutschen Ethikrates</strong></h2>



<p>Am intensivsten sind im Moment Ärzte und Ärztinnen betroffen, die bald vor ähnlichen Problemen stehen könnten wie ihre italienischen Kollegen und Kolleginnen, die schon vor Wochen über Leben und Tod entscheiden mussten. Die dramatischen Fälle bei der sogenannten „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Triage" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Triage</a>“ hat der <a href="https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Ad-hoc-Empfehlungen/deutsch/ad-hoc-empfehlung-corona-krise.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Deutsche Ethikrat am 27. März 2020</a> beschrieben und bewertet.</p>



<p class="has-drop-cap">In der ersten der beiden vom Ethikrat beschriebenen Problemsituationen (Triage bei Ex-ante-Konkurrenz) gibt es mehr Patienten als freie Beatmungsplätze. Die Ärzte müssen also entscheiden, wer von den Patienten ein Beatmungsgerät bekommt – und wer nicht. Patienten, denen die Behandlung vorenthalten wird, werden von den Ärzten nicht etwa durch Unterlassen getötet, sondern aufgrund „einer tragischen Unmöglichkeit vor dem krankheitsbedingten Sterben nicht gerettet“, so der Ethikrat&nbsp;</p>



<p>Allerdings müssten bei der Entscheidung, wer diesen Platz bekommt, „unfaire Einflüsse“ ausgeschlossen werden, etwa solche im Hinblick auf „sozialen Status, Herkunft, Alter, Behinderung usw.“ (<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Ad-hoc-Empfehlungen/deutsch/ad-hoc-empfehlung-corona-krise.pdf" target="_blank">„Solidarität und Verantwortung in der Corona-Krise“; Ad-hoc-Empfehlung des Deutschen Ethikrates&nbsp;&nbsp;vom 27.3.2020</a>).&nbsp;</p>



<p>Also darf auch das Alter kein Ausschließungsgrund sein (z. B. niemand über 80 Jahren bekommt einen Beatmungsplatz). Was könnten bei dieser Entscheidung also die „wohlüberlegten, begründeten, transparenten und möglichst einheitlich angewandten Kriterien“ sein?&nbsp;</p>



<p>Aus medizinischer Sicht ist vor allem die Überlebenswahrscheinlichkeit, also die Chance auf einen positiven Erfolg der Beatmung, ein wichtiges Kriterium. Denkbar ist natürlich, dass bei der Abschätzung dieser Wahrscheinlichkeit einige der oben als irrelevant bezeichneten Kriterien eine indirekte Rolle spielen, da beispielsweise das Alter und bestimmte Behinderungen die Prognosen beeinflussen dürften.</p>



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<p class="has-drop-cap">Als noch problematischer beschreibt der Ethikrat eine Situation, in der alle Beatmungsplätze belegt sind. Wenn jetzt zusätzliche Patienten Beatmungsgeräte benötigen, stellt sich die Frage nach den verbleibenden ärztlichen Handlungsmöglichkeiten (Triage bei Ex-post-Konkurrenz).&nbsp;</p>



<p>Reinhard Merkel, Professor für&nbsp;Strafrecht&nbsp;und&nbsp;Rechtsphilosophie&nbsp;sowie Mitglied des Ethikrates, hat im ZDF am 31.3.2020 in der Sendung „Lanz“ diese Situation beispielhaft beschrieben: Darf man einen 80-jährigen Patienten vom Beatmungsgerät abhängen, wenn dieses dringend von einer 30-jährigen Mutter von kleinen Kindern benötigt wird? Er hat deutlich gemacht, dass dies rechtlich nicht erlaubt ist.</p>



<p>Wenn Ärzte trotzdem entscheiden, dass das Beatmungsgerät des 80jährigen Patienten für die 30jährige Mutter freigemacht wird, dann können sie allerdings mit „einer entschuldigenden Nachsicht der Rechtsordnung“ rechnen, also straffrei bleiben<a href="https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Ad-hoc-Empfehlungen/deutsch/ad-hoc-empfehlung-corona-krise.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> (Ethikrat, 2020)</a>.&nbsp;</p>



<p>Wonach würden Sie entscheiden? Würden Sie Beatmungsplätze tauschen – wenig aussichtsreiche gegen hoffnungsvollere Fälle? Strikte Altersbegrenzungen vorgeben wie es offenbar an einigen italienischen Kliniken gehandhabt wurde?&nbsp;</p>



<p>Oder lässt sich dieses moralische Dilemma durch ein klares medizinisches Punktesystem für die Triage lösen?&nbsp;</p>



<p>Am Klinikum Augsburg hat das Vorbereitungsteam für eine eventuelle Triage entschieden, „dass kein Intensivpatient sein Bett sicher haben wird, auch wenn das von Juristen wie dem ehemaligen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichtes Hans-Jürgen Papier empfohlen wird, weil der Grundsatz der Gleichheit der Menschenwürde dies seiner Meinung nach erforderlich mache.“</p>



<p>„In Augsburg soll es nicht so sein wie in Italien – das Alter allein führt nicht zum Ausschluss. Konkurrieren zwei oder mehr Patienten um einen Platz, wird zuerst der Allgemeinzustand abgeklärt: ’Wie schnauft er, wie hoch ist sein Druck, wie steht er kognitiv da’, so Wehler (ärztlicher Leiter der Notaufnahme). Erst wenn es Prognosen für die Lebenserwartung gibt, erst wenn diese Zahlen identisch oder annähernd identisch sind, kommt das Alter ins Spiel“ (<a href="https://www.spiegel.de/politik/deutschland/corona-wie-aerzte-der-uniklinik-augsburg-sich-auf-die-triage-vorbereiten-a-828149f6-f2d5-4a67-9e2c-618e62a1d9ff" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Spiegel 10.4.2020</a>).&nbsp;</p>



<p>Bei der Triage geht es um Menschenleben. Es soll nicht abgewogen werden, welches Menschenleben wichtiger ist, welches eher bzw. vorzugsweise gerettet werden soll, sondern welches mit höherer Wahrscheinlichkeit gerettet werden kann. Wir können also darauf vertrauen, dass es Lösungen für die Triage gibt, die zwar schmerzlich und bitter sind, aber trotzdem begründbar und nachvollziehbar.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Moralpsychologie</strong></h2>



<p>Die Moralpsychologie sagt uns nichts über die Ausbreitung von Viren oder die Verbreitungswege von Pandemien. Sie kann weder Ärzten und Ärztinnen noch dem Deutschen Ethikrat erklären, was jetzt moralisch richtig und was moralisch falsch ist.&nbsp;</p>



<p>Die Moralpsychologie versucht zu erklären, warum Menschen unterschiedliche Entscheidungen für richtig halten und warum sie so handeln, wie sie handeln. Sie kann also helfen, andere und uns selbst besser zu verstehen. Wenn das gelingt, kommen wir vielleicht zu einer Änderung unserer Beurteilungen und möglicherweise sogar unseres Verhaltens. Oder wir fühlen uns in beidem bestätigt. Wir werden sehen!</p>



<p>Wie werden Personen, die sich auf unterschiedlichen <a href="https://www.heidsite.de/2016/09/29/moralentwicklung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Entwicklungsstufen des moralischen Urteils</a>, argumentieren, wenn es um Triage-Entscheidungen geht?</p>



<p class="has-drop-cap">Stellen wir uns einen Arzt vor, der entscheiden soll, ob ein 55jähriger leicht übergewichtiger Mann oder eine 32jährige schwangere Frau das letzte freie Atmungsgerät bekommen sollen. Die Lösung scheint einfach zu sein: die schwangere Frau hat vermutlich die besseren Überlebenschancen, außerdem stehen hier zwei Leben auf dem Spiel. Bei dem Mann nur eines!</p>



<p>Für die Ärzte in Augsburg wäre die Situation eindeutig: „Klar ist jetzt auch die Stellung von Schwangeren in diesem Prozess. Bei intakter Schwangerschaft und gesundem Fötus wird die Schwangere bevorzugt behandelt, &#8222;denn es sind ja zwei Leben, die enden könnten&#8220; (<a href="https://www.spiegel.de/politik/deutschland/corona-wie-aerzte-der-uniklinik-augsburg-sich-auf-die-triage-vorbereiten-a-828149f6-f2d5-4a67-9e2c-618e62a1d9ff" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Spiegel, 10.4.2020</a>).</p>



<p>Die Entscheidung scheint klar zu sein, unabhängig von ihrer Begründung: Wenn die Ärzte sich für die Schwangere entscheiden, handeln sie anhand vorgegebener Regeln, wohl auch in Übereinstimmung mit der öffentlichen Meinung und juristisch unangreifbar.&nbsp;&nbsp;</p>



<p>Diese Entscheidung entspricht bei den meisten von uns vermutlich auch der moralischen Intuition, also der Handlung, der wir ohne weitere Überlegung spontan zustimmen würden.&nbsp;</p>



<p>Was ist aber, wenn wir jetzt die Information bekommen, dass es sich bei dem älteren Mann um den derzeitigen Premier des eigenen Landes handelt? Also um den zurzeit wichtigsten Politiker? Vielleicht denken Sie, dass dies keinen Unterschied machen darf. Der „soziale Status“ darf auch nach Meinung des deutschen Ethikrates keinen Einfluss auf die Entscheidung haben. Trotzdem sind Sie jetzt vielleicht unsicher. Ist der Premier eines Landes nicht einfach zu wichtig als dass man ihn einfach für einen „gewöhnlichen“ Menschen opfern darf? Bekommen die Ärzte, die sich gegen ihn entscheiden, nicht ernsthafte Probleme? Werden staatliche Stellen in diesem Fall nicht eingreifen, Druck ausüben?&nbsp;</p>



<p>Wissen Sie jetzt, wie Sie sich entscheiden würden? Und hätten Sie mit dieser Entscheidung ein Problem? Wären Sie unsicher, ob Sie sich richtig entschieden hätten? Oder befürchten Sie, dass Sie bewusst eine falsche Entscheidung treffen würden? Aus Angst vor den möglichen Konsequenzen?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Moralische Urteilsstufen</h2>



<p>Systematisieren wir die Entscheidungsmöglichkeiten nach den moralischen Urteilsstufen von Lawrence Kohlberg (<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.heidsite.de/2016/09/29/moralentwicklung/" target="_blank">https://www.heidsite.de/2016/09/29/moralentwicklung/</a>):</p>



<ol type="1"><li><strong>Lohn und Strafe</strong></li></ol>



<p>Die Dankbarkeit des Premiers dürfte den Ärzten sicher sein. Eine Belohnung also deutlich wahrscheinlicher als eine Bestrafung, wenn sie den Politiker retten!</p>



<ol start="2"><li><strong>Zweckdenken</strong></li></ol>



<p>Eine Entscheidung gegen den Politiker dürfte sich kaum auszahlen – sie würde uns vermutlich schaden. Es sei denn, wir sind ihm in herzlicher Abneigung verbunden und wünschen nichts mehr als seine Abberufung.&nbsp;</p>



<ol start="3"><li><strong>Übereinstimmung mit anderen</strong></li></ol>



<p>Wohlweislich sollen Triage-Entscheidungen nicht von einem Arzt, sondern immer von mehreren getroffen werden. Wenn wir uns an der Meinung der anderen orientieren, sind wir es nicht allein, die verantwortlich sind bzw. nachträglich gemacht werden können. Wir schließen uns also der Gruppenmeinung an.</p>



<ol start="4"><li><strong>Recht und Ordnung</strong></li></ol>



<p>Wenn uns als Arzt die Entscheidung über Leben und Tod überlassen wird, dann dürfen wir nicht unseren privaten Vorlieben, Meinungen oder Einstellungen folgen. Wir haben uns an verbindliche Regeln und Gesetze zu halten. Leider können die manchmal widersprüchlich sein. Die ärztlichen Triage-Regeln und der Ethikrat verlangen möglicherweise etwas anderes als staatliche Stellen, die uns auf die Rettung des Lebens des wichtigsten Politikers unseres Landes verpflichten wollen. Wir stehen vor einem ernsthaften Dilemma.</p>



<ol start="5"><li><strong>Postkonventionelle Moral</strong></li></ol>



<p>Der Ethikrat verlangt von den Ärzten genaugenommen ein Urteil auf der Ebene der postkonventionellen Moral: Indem er die juristischen Vorgaben deutlich macht, aber gleichzeitig darauf verweist, dass es auch Gewissensgründe geben kann, diese nicht einzuhalten: „Wer in einer solchen Lage eine Gewissensentscheidung trifft, die ethisch begründbar ist und transparenten – etwa von medizinischen Fachgesellschaften aufgestellten – Kriterien folgt, kann im Fall einer möglichen (straf-)rechtlichen Aufarbeitung des Geschehens mit einer entschuldigenden Nachsicht der Rechtsordnung rechnen.“</p>



<p class="has-drop-cap">Was bedeutet dies für unser Beispiel? Müssen wir auf der Ebene der postkonventionellen Moral den Regierungschef für die junge Mutter opfern? Oder müssen wir nicht gerade die möglichen gesellschaftlichen Konsequenzen berücksichtigen? Wenn in einer prekären gesellschaftlichen Krise von ungeahntem Ausmaß der wichtigste politische Lenker geopfert wird, kann dies unabsehbare Konsequenzen haben. Andererseits ist auch denkbar, dass die Bevorzugung des Politikers in der Bevölkerung breite Empörung auslösen könnte.&nbsp;&nbsp;</p>



<p>Wie würden Sie entscheiden? Ich bin gespannt – Sie können sie gern in den Kommentaren dieses Blogs erläutern. Ich selbst bin hier übrigens weit weniger sicher als Sie vielleicht vermuten.</p>



<p>PS: Die meisten von uns sind keine Ärzte und mit dem Problem der Triage aktiv nicht betroffen (passiert hoffentlich auch nicht). Auch können wir im Moment die Hoffnung haben, dass die geschilderten Triage-Situationen hierzulande aufgrund unseres guten Gesundheitssystems und der bisherigen politischen Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen nicht eintreten werden.</p>



<p>Viele andere Entscheidungen, bei denen es auch um Leben und Tod gehen kann, treffen wir alle seit Wochen und wohl auch auf unabsehbare weitere Zeit. Dazu bald mehr – hier im Blog!</p>



<pre class="wp-block-preformatted">Bildnachweis: 
Triage: <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.flickr.com/photos/99129398@N00" target="_blank">https://de.wikipedia.org/wiki/Triage#/media/Datei:Wounded_Triage_France_WWI.jpg</a> <a rel="noreferrer noopener" href="https://en.wikipedia.org/wiki/de:Creative_Commons" target="_blank">Creative-Commons</a>-Lizenz
Intensivstation: © Ad Meskens / Wikimedia Commons</pre>



<p></p>



<div class="wp-block-group is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow"><div class="wp-block-group__inner-container"></div></div>



<p></p>
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